Mit Innova.QUEST und Innovakeln den Strukturwandel kreativ gestalten – neu entwickelte Methode „Innovakeln“ im Rahmen von L&T CONNECTS getestet

18. Dezember 2025

Mit Innovakeln erproben die Sozialwissenschaftlerinnen Anja Mutschler und Dr. Julia Gabler (TRAWOS‑Institut) eine ungewöhnliche Methode zur Innovationsfindung. Anstatt ein festes Format vorzugeben, verstehen sie Innovakeln als „Gefäß“, das von den Teilnehmenden gefüllt wird: Es gibt keinen vorgefertigten Ablauf, vielmehr sollen die Anwesenden das mitbringen, was ihnen wichtig ist. Damit unterscheidet sich Innovakeln deutlich von klassischen Workshops – es bietet Raum für spontane Impulse und Perspektivwechsel.

Worum geht es beim Innovakeln?

Die Methode zielt darauf ab, dialogisches Erforschen zu ermöglichen: In kleinen Gruppen von idealerweise 12–14 Personen werden geteilte Sorgen, Neugier und persönliche Reflexionen zur regionalen Innovationskultur eingebracht. Dabei bietet die Heterogenität in den Rollen, welche die Teilnehmenden einnehmen, besonderes Potenzial für vielfältige bereichernde Perspektiven, um Innovationsprozesse für die Region zu initiieren bzw. im Gespräch weiter voranzutreiben. Die Forschenden sorgen nur für eine lose Struktur, Pausen und ungeplante Interaktionen sind ausdrücklich gewünscht. Innovakeln begreift sich als „vernetztes Denken einer Kooperationsgemeinschaft auf Zeit“.

Ein Werkzeug: das Transfer‑Tool Innova.QUEST

Parallel zur Gesprächsmethode wurde das Kartenset Innova.QUEST entwickelt. Es richtet sich an Innovateur*innen und Multiplikator*innen, die nach konkreten Fragestellungen für ihre Arbeit suchen oder diese bereits mitbringen. Die Karten beruhen auf Beobachtungen aus der Lausitz: Viele Akteur*innen sind stark ausgelastet und wünschen sich einen roten Faden; Innovation bedeutet oft, Strategien zu entwickeln und Voraussetzungen zu schaffen, um trotz widriger Umstände in der Region zu bleiben und diese (weiterhin) zu bereichern. Statt ein singuläres Narrativ vorzugeben, setzt das Kartenset auf Konsensetappen und regionale Besonderheiten, um den vielfältigen Bedürfnissen gerecht zu werden und die Gesprächsstruktur zugleich möglichst offen und flexibel zu halten. Ziel ist es, zyklische, spiralförmige Innovationsstrategien zu unterstützen und die lineare Logik üblicher Innovationsprogramme zu durchbrechen. Innova.QUEST kann als Selbstdruck‑Variante heruntergeladen werden; weitere Testreihen sind in Planung.

Innovakeln in der Praxis

Die L&T‑CONNECTS-Veranstaltung Innovationsfreundliche Lausitz: Zellen oder Ökosystem? bot am 27. Oktober 2025 einen Rahmen, um Innovakeln praktisch zu erproben. In Kleingruppen diskutierten Vertreter*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft offene Fragen des Strukturwandels und nutzten das Kartenset, um sich über ihre Projekte und Herausforderungen auszutauschen. Dabei zeigte sich, dass Innovakeln besonders geeignet ist, komplexe Themen durch gemeinsame Reflexion und heterogene Zusammensetzungen zu erschließen. Die Forschenden betonen, dass das Format und das Kartenset derzeit noch nicht finalisiert sind. Vielmehr sind beide als Vorschlag und Einladung zu verstehen, „anders über Innovationen in der Region Lausitz nachzudenken“.

Ausblick

Innovakeln und Innova.QUEST befinden sich noch in der Entwicklungsphase. Hierfür war die L&T-CONNECTS-Veranstaltung am 27. Oktober 2025 hilfreich, um ehrliches Feedback der Teilnehmenden zum derzeitigen Stand der Methoden einzuholen. Gleichwohl deuten die positiven Rückmeldungen darauf hin, dass eine offene, multiperspektivische Gesprächsstruktur dabei helfen kann, neue Perspektiven in Innovationsprozesse einzubeziehen, regionale Innovationshemmnisse zu überwinden und neue Kooperationen anzustoßen. Wer das Format nutzen oder das Kartenset testen möchte, findet auf der Projektseite Innova.GEIST weitere Informationen. Durch die gezielte Verbindung von Dialog und Transferwerkzeug könnte Innovakeln einen wichtigen Beitrag leisten, den Innovationsspirit in der Lausitz weiterzuentwickeln.