Frauen als wichtiger Entwicklungsfaktor in der Lausitz

15. Dezember 2021

War­um Frau­en ein wich­ti­ger Wirt­schafts­fak­tor für die regio­na­le Ent­wick­lung in der Lau­sitz sind? Die­ser Fra­ge wid­met sich die neue Repor­ta­ge vom MDR “Mehr Frau­en braucht das Dorf” mit span­nen­den Por­traits und Ein­bli­cken in die Ent­wick­lungs­po­ten­tia­le der Regi­on, die im Rah­men der ARD-The­men­wo­che „Stadt.Land.Wandel“ im Novem­ber ver­öf­fent­licht wurde.

 

MDR-Repor­te­rin Danie­la Schmidt beim Lau­sit­ze­rin­nen Stamm­tisch im KoLA­BO­R­ac­ja in Görlitz.

Vor­ge­stellt wird in der Repor­ta­ge unter ande­rem auch der Lau­sit­ze­rin­nen Stamm­tisch, eine Initia­ti­ve von F wie Kraft – Frauen.Leben.Lausitz (Gör­litz). Der regel­mä­ßig statt­fin­den­de digi­ta­le Stamm­tisch lädt Lau­sit­ze­rin­nen und Rück­keh­re­rin­nen dazu ein, sich über The­men wie den geschlech­ter­ge­rech­ten Struk­tur­wan­del in der Lau­sitz, das Her­zie­hen, Zurück­keh­ren oder Hier­blei­ben sowie über die Rol­le und den Ein­fluss von Frau­en in der Poli­tik aus­zu­tau­schen. Hier­durch gestal­ten Frau­en aktiv auch ihre zukünf­ti­ge Rol­le in der Lau­sitz selbst mit. Auch das L&T Bünd­nis unter­stützt die­se Initia­ti­ve. Durch die regel­mä­ßi­ge Teil­nah­me an den Stamm­ti­schen und das Ein­brin­gen von eige­nen Ideen, wird die Ver­zah­nung von tech­no­lo­gi­schen und sozia­len Inno­va­ti­ons­fel­dern zur stra­te­gi­schen Wei­ter­ent­wick­lung und flie­ßen direkt in die Bünd­nis- und Netz­werk­ar­beit von L&T ein. „Der Stamm­tisch ver­bin­det Frau­en aus der gan­zen Lau­sitz, mit dem Ziel die neue oder alte Hei­mat lebens­wer­ter zu machen und mit­zu­ge­stal­ten. Dies ist auch ein wesent­li­ches Anlie­gen für das Bünd­nis Lau­sitz — Life & Tech­no­lo­gy,“ hebt die Pro­jekt­ko­or­di­na­to­rin vom L&T Stra­te­gie­team Leo­nie Lie­mich hervor.

 

 

Vie­le Dör­fer blu­ten aus, weil so vie­le jun­ge Men­schen und vor allem Frau­en weg­ge­hen. Aber was pas­siert, wenn „Frau“ sich ent­schei­det wie­der auf´s Dorf zurück­zu­ge­hen? Wel­chen Mehr­ge­winn das für die Ent­wick­lung von Dör­fern und den länd­li­chen Raum hat, wird in dem Bei­trag mit span­nen­den Por­traits dargestellt.

 

 

Über Neuseeland zurück in die Oberlausitz

Im säch­si­schen Rei­chen­bach eröff­ne­te Fan­ny Bra­cke als Rück­keh­re­rin eine Intar­si­en­ma­nu­fak­tur, eine alte Tra­di­ti­ons­kunst aus dem Tisch­ler­hand­werk, und ent­schied sich bewusst für das Leben auf dem Dorf. Nach einem Aus­lands­auf­ent­halt in Neu­see­land, einem Bio­lo­gie­stu­di­um in Greifs­wald und einer Tisch­ler­leh­re führ­te sie der Weg wie­der zurück in die Ober­lau­sitz. „Als für mich damals die Ent­schei­dung stand, mich selbst­stän­dig zu machen, ent­schied ich mich wie­der zurück in mei­ne Hei­mat­stadt und zurück in die Lau­sitz zu gehen.“ Durch den Inter­net­auf­tritt ist sie deutsch­land­weit prä­sent mit ihrer Hand­werks­kunst und kann somit auch von der Lau­sitz aus gut arbeiten.

 

 

„Frau­en sind nicht nur ein wich­ti­ger Wirt­schafts­fak­tor, wenn sie (hei­mi­sches) Bier trin­ken, son­dern sie machen Lust hier zu blei­ben, weil sie oft nach­hal­tig und res­sour­cen­scho­nend arbei­ten, den Zusam­men­halt stär­ken und sich aktiv ver­net­zen, Kri­tik nicht unter den Tep­pich keh­ren und Über­set­ze­rin­nen und Bot­schaf­te­rin­nen der regio­na­len Her­aus­for­de­run­gen sind […] im Dorf, in den (Klein-)Städten, auf dem Land und bis in die EU,“ unter­streicht Dr. Julia Gab­ler die Bedeu­tung von Frauen.

 

 

Landflucht — ein Thema seit über 30 Jahren

Inter­view Dr. Julia Gab­ler, Initia­to­rin von F‑wie Kraft

Acht von Zehn jun­gen Frau­en geben im Land­kreis Gör­litz an, nach der Schu­le weg­ge­hen zu wol­len. Dr. Julia Gab­ler, Initia­to­rin der Initia­ti­ve F‑wie Kraft und zur Zeit als Ver­tre­tungs­pro­fes­so­rin im Mas­ter-Stu­di­en­gang Manage­ment Sozia­len Wan­dels an der Hoch­schu­le Zittau/Görlitz, erklärt dies damit, dass vie­le Frau­en nach der Schu­le bewusst in grö­ße­re Städ­te und ande­re Regio­nen gehen und lei­der oft nicht zurück­keh­ren, da sie span­nen­de Posi­tio­nen in der Arbeit oder auch fami­liä­re Grund­stei­ne anders­wo auf­ge­baut haben. Somit ist die Land­flucht nicht nur ein prä­sen­tes The­ma in den 90er Jah­ren son­dern auch heu­te, 30 Jah­re spä­ter immer noch ganz aktu­ell. Leb­ten in den 90er Jah­ren noch 367.000 Ein­woh­ne­rIn­nen im Land­kreis Gör­litz, so sind es heu­te nicht mehr als 250.000 Ein­woh­ne­rIn­nen. Die Moti­va­ti­on, die Regi­on zu ver­las­sen und in urba­ne Zen­tren zu zie­hen, hat sich hier­bei aber geän­dert. Ent­schie­den sich frü­her gan­ze Fami­li­en, die Lau­sitz zu ver­las­sen, sind es heu­te vor allem jun­ge Men­schen und vor allem jun­ge Frau­en. Auf der Suche nach adäqua­ten Aus­bil­dungs­chan­cen, aber auch ande­re jun­ge Men­schen sowie eine offe­ne und tole­ran­te­re Umge­bung sind ent­schei­den­de Grün­de für die Abwan­de­rung. Umso wich­ti­ger ist es, die For­de­run­gen des Bünd­nis­ses der Lau­sit­zer Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten für den Struk­tur­wan­del in der Lau­sitz wahr­zu­neh­men und für die Ver­än­de­rungs­pro­zes­se in der Regi­on aufzunehmen.

 

 

Der Wirt­schafts­fak­tor von Frau­en in länd­li­chen Regio­nen ist dabei wesent­lich für die regio­na­le Ent­wick­lung. „Durch die akti­ve Betei­li­gung von Frau­en wer­den offe­ne Orte geschaf­fen, die gut funk­tio­nie­ren­de Kin­der­gär­ten, eine akti­ve Kir­chen­ge­mein­schaft haben und an denen sich Kul­tur­ca­fés eta­blie­ren oder Kinos eröff­nen. D.h. in Dör­fern, wo Frau­en aktiv sind, wer­den Orte leben­di­ger, haben mehr Zuzug oder ver­wei­sen auch auf ein qua­li­fi­zier­tes Bil­dungs­sys­tem. Dies ist ein kla­rer Gewinn für die Regi­on, denn somit wird ein nach­hal­ti­ger Wirt­schafts­fak­tor durch die akti­ve Betei­li­gung von Frau­en geschaf­fen,“ so Dr. Julia Gabler.

 

Ihre Ansprechpersonen

Dr. Julia Gab­ler, Initia­to­rin F‑wie-Kraft
Ver­tre­tungs­pro­fes­sur: Stu­di­en­gang Manage­ment Sozia­len Wandels
Hoch­schu­le Zittau/Görlitz

 

Leo­nie Lie­mich, L&T Projektkoordinatorin
Hoch­schu­le Zittau/Görlitz
Mail: Leonie.Liemich@hszg.de